Ein Ausflug entlang des Havelradwegs

Hier können wir nicht anhalten - Das ist Insektenland!

Autorin: Nina

 

 

Während des Frühstücks entschieden wir uns spontan dazu, am nächsten Tag einen Ausflug mit Rädern, Gepäck und Hunden zu wagen, um alles (die Hunde selbstverständlich nicht-die sind schon) zu testen. Denn das phänomenale Zelt (MSR Hubba Hubba-ja: es heißt wirklich so) und unsere formidablen Vaude-Taschen mussten unbedingt auf Herz und Nieren geprüft werden.

So hieß es dann also am nächsten Morgen Sachen packen und auf die Räder schwingen. Tatsächlich war es so, dass die Räder an sich schon sehr schwangen. Durch das Gewicht der Taschen entwickelten sie hinsichtlich der Navigation ein Eigenleben und ich konnte nur bedingt meinen Willen der einzuschlagenden Himmelsrichtung mit dem Fahrrad kommunizieren. Der arme Robert musst zusätzlich noch Zelt und Fotoequipment schleppen.

Nachdem wir die Anhänger an die Räder gehängt und die Hunde eingeladen hatten, starteten wir gen Havelradweg. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis wir Berlin endlich halbwegs verlassen hatten. Nach 30km legten wir die erste kleine Pause ein. Um uns zu stärken und auch den Hunden eine Verschnaufpause zu gönnen.

Dann ging es auch schon weiter. Entlang der Havel Richtung Oranienburg. Wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen durch atemberaubende Landschaften. Der Radweg ist hervorragend ausgebaut und so radelten wir gemütlich Kilometer um Kilometer.

Nach ca 75Km entschieden wir uns für eine weitere Pause. Wir fuhren gerade durch ein Waldstück und auf der rechten Seite lud ein kleiner Holzunterstand mit Bänken Reisende zum Verweilen ein. Also lehnten wir die Fahrräder an einen der Stützbalken, entließen die Hunde in die Freiheit und wollten uns gerade hinsetzen, als ein lautes Gesumme unsere Aufmerksamkeit weckte: ein Bienenschwarm hatte den Unterstand offensichtlich ebenfalls als recht einladend empfunden und dort einen Stock errichtet. Nun schienen einige der Arbeiterinnen schon halbwegs empört über unseren unangekündigten Besuch, was sie Erna

sogleich mit einem Stich zu verstehen gaben. Also nichts wie weg!!! Erstmal ohne Räder. Hauptsache außer Reichweite!! Nach einigen schnell gelaufenen Metern blieben wir-immernoch argwöhnisch-stehen. Doch sofort wurden wir erneut attackiert. Wir brauchten einen Moment um zu bemerken, dass es sich bei den fliegenden Angreifern um Bremsen handelte. Und nicht wie zunächst angenommen um Bienen. Leider hatten wir (wie auch schon in der Uckermark) unser Insektenspray vergessen.

War also nix mit Pause: bloß schnell weg hier!!! Also Räder schnappen und hurtig weiter. Nach ein paar hundert Metern wagten wir einen zweiten Versuch. Allerdings trauten wir uns nur schnell eine Kleinigkeit zu essen und setzten die Reise dann lieber fort.

Nach gut 100Km suchten wir uns hinter Zehdenick ein ruhiges Plätzchen an einem kleinen See. Unser auserkorene Schlafplatz befand sich am Rande einer Wiese, geschützt durch Dickicht und einige Bäume. Eine wunderbare Stelle für eine (wie wir da noch glaubten) ruhige Nacht. Der See bot eine herrliche Badestelle, rings herum ragte Schilf empor, rechts führte ein schmaler Trampelpfad zu einem hölzernen Steg, an welchem kleine Paddelbote vertäut lagen.

Nach einem kühlenden Bad im See bereiteten wir ein einfaches, aber köstliches Abendmahl zu, welches wir am Steg sitzend verzehrten. Wir genossen die Atmosphäre des Sommerabends, die langsam kühler werdende Luft, den Duft von Gras, Wasser und aufgewärmter Erde. Lauschten dem sanften Rauschen des Windes in den Baumwipfeln, den Lauten des Tierreichs: dem Jubilieren der Vögel, dem Summen der Insekten, dem Plätschern der Fische wenn sie nach Nahrung schnappten.

 

 

Nach diesem herrlichen Moment der Entspannung bauten wir das Zelt auf, richteten unsere Schlafstätte ein (die erste Nacht auf den neuen Isomatten und in dem neuen Zelt. Beides hervorragend!) und wollten-erschöpft und glücklich-selig in das Land der Träume entschlummern, als wir auf einmal ein uns leider wohlvertrautes Gebrüll vernahmen, das uns hochschrecken ließ: Kretschmann fühlte sich wieder einmal verpflichtet den Scheriff zu spielen. Die ganze Nacht (Kretschmann:das nächste Mal heißt es leider Antibellhalsband für dich-auch wenn mir das Leid tut. Aber um meinen fehlenden Schlaf täte es mir noch mehr leid).

Der nächste Morgen brach daher sehr früh an für uns (so gegen 4Uhr) und war dementsprechend zerknirscht. Aber der Sonnenaufgang über dem See, über welchem ein zarter Nebelschleier hing, war phänomenal. Nach einem kurzen Frühstück döste ich am Steg noch einmal weg und der fleißige Robert machte derweil schon alles startklar für unsere Rückreise.

Die traten wir ohne weitere Zwischenfälle an. Nur mein Hintern machte sich deutlich bemerkbar und gab mir zu verstehen, dass er zwei Tage auf dem Rad nicht so nice fand. Nach den ersten Kilometern wollte eine Textpassage von Prinz Pi nicht mehr aus meinem Kopf:"und wenn es brennt, lass es brennen, lass es brennen, verdammt!" Ob er dabei eine lange Fahrradtour im Sinn hatte? Man weiß es nicht...in diesem Moment erschien mir das durchaus möglich.

Da wir beide sehr müde waren, legten wir noch eine Kaffeepause ein und fuhren anschließend bis Oranienburg und von dort aus mit der S-Bahn zurück nach Berlin
(NOTE BENE: NIE WIEDER MIT ANHÄNGERN, GEPÄCK UND HUNDEN S-BAHN FAHREN, NINA!!).

Schön war es! Ein feiner Vorgeschmack auf unsere Reise. Und es fehlte an nichts (ja, Robert: eine Axt wäre schön gewesen. Aber ich hätte mich ein wenig unwohl bei dem Gedanken an die Kombination Axt + Robert + nachts bellender Kretschmann gefühlt ;)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Dirk Heyer (Montag, 09 Juli 2018 14:34)

    � Ein schöner Bericht über ein wunderschönes Stück Land. Ich hab direkt Lust bekommen, mich aufs Fahrrad zu schwingen.
    Euch beiden wünsche ich eine tolle Reise und möge Samson ein waches Auge über euch haben.