Warum Laufen nicht immer hilft

Stressfraktur im Mittelfuß

Autorin: Nina

 

Bevor wir aufbrechen, wollte ich unbedingt noch einen Marathon laufen.
Auch Robert fand die Idee schön und so meldeten wir uns für den Plöner-See-Marathon am 26.08.2018 an.

Das Training lief gut. Es machte meistens (:D) sehr viel Spaß und ich freute mich wahnsinnig auf das Event. Zugegebenermaßen lief ich das ein-oder andere Mal mehr, als der Trainingsplan vorsah....Das sollte seinen Preis haben.

 

Nach einem längerem Lauf verspürte ich einen leichten Schmerz am rechten Mittelfuß. Ich dachte mir nichts weiter dabei und hielt mich an meinen Trainingsplan. Der Schmerz trat anfangs nur nach der Belastung auf, nicht aber während des Trainings. "Nicht weiter schlimm", dachte ich mir. Also Zähne zusammenbeißen und laufen, laufen, laufen.

Und dann kam der verhängnisvolle Tempolauf: Ich spürte schon zu Beginn Schmerzen im Bereich des 3. Mittelfußknochens, wollte den Lauf jedoch durchziehen. Tat ich auch. Doch am nächsten Morgen war mein Mittelfußbereich gezeichnet von einer typischen Entzündungsreaktion:

 

  1. Rötung (rubor)
  2. Schwellung (tumor)
  3. Schmerz (dolor)
  4. Überwärmung (calor)
  5. Eingeschränkte Funktion (functio laesa)

 

Man sagt nicht umsonst, dass Mediziner die schlimmsten Patienten sind. Aber nun konnte selbst ich das Offensichtliche nicht mehr ignorieren nach dem Motto:"was von allein kommt, geht auch von allein". Es war eindeutig: ich musste zum Orthopäden.

 

Glücklicherweise bekam ich direkt am nächsten Tag einen Termin. Als ich meinen Fuß präsentierte, reagierte die Ärztin halbwegs erschrocken und schickte mich direkt zum Röntgen. Doch dieses lieferte zunächst keine Klarheit, was leider ganz typisch ist bei dieser Form der Fraktur.

Die für mich enttäuschende Diagnose war das Fehlen selbiger. Denn die Orthopädin teilte mir nur Folgendes mit:"Ein Bruch ist es schonmal nicht, das sind doch gute Nachrichten. Aber ich will das Bein trotzdem gerne eingipsen."
EINGIPSEN???!!! Das würde bedeuten, dass ich nicht nur NICHT LAUFEN könnte, sondern auch NICHT Schwimmen und NICHT Radfahren.

Ich konnte wenigstens verhindern, dass ich einen Gips bekam. Widerwillig ließ ich mir einen Vacoped anlegen und Krücken geben.
Die darauffolgenden Tage waren sehr schwer. Langsam wurde mir bewusst, dass der Marathon ohne mich stattfinden würde. Doch sträubte ich mich sehr dagegen, eine Gliedmaße so dermaßen außer Gefecht zu setzen, obwohl die Schmerzen im Rahmen des Erträglichen waren. Ich hatte striktes Belastungsverbot. Aber keine zufriedenstellende Diagnose.

Also vereinbarte ich einen Termin in einem Sportmedizinzentrum. Ich musste ins MRT und dieses lieferte dann das gefürchtete Ergebnis: Stressfraktur im MT 3, also dem 3. Mittelfußknochen. Ich war ziemlich erschüttert. Doch der Arzt hatte die freudige Botschaft, dass ich alles, was keine Schmerzen bereitet machen durfte. Ich konnte also zumindest Schwimmen und Radfahren! Laufverbot galt für sechs Wochen. Da kam ich nicht drum herum.

So hatte alles jedoch noch etwas Positives: wir meldeten uns für das Müggelseeschwimmen an und ich hatte ausreichend Zeit, um meine Kraultechnik zu verbessern.

 

Eines habe ich gelernt: Ich muss definitiv aufmerksamer hinhören, wenn mein Körper Schmerz signalisiert!

 

Stressfraktur-Definition

 

  • Als Stressfraktur bezeichnet man Knochenbrüche, welche durch mangelnde Belastungsanpassung der Knochen auftreten. Meist gehen sie einher mit einer Zunahme der Knochenbeanspruchung. Unser Knochengewebe ist sehr anpassungsfähig und die kleinen "Knochenbauer" (Osteoblasten) sind ausgesprochen fleißig, wenn sich die Ansprüche an den Knochen verändern. Sie sind dafür zuständig, neues Knochengewebe aufzubauen. Doch erfolgt die erhöhte Belastung zu schnell und sind die Erholungsphasen zu kurz, kann das Knochengewebe nicht adäquat aufgebaut werden und es kommt zu Stressfrakturen.

 

Stressfraktur-typische Ursachen

  • erhöhter Trainingsumfang
  • erhöhte Trainingsintensität
  • Fehlstellungen
  • Bei Frauen treten Stressfrakturen auch gehäuft bei Essstörungen wie Anorexie auf

Stressfraktur-typische Symptome

  • Schmerz zunächst unter Belastung, im weiteren Verlauf auch außerhalb des Trainings
  • Entzündungssymptome (Wärme, Rötung, Schmerz, Schwellung, eingeschränkte Funktionstüchtigkeit) im betroffenen Bereich

Stressfraktur-Diagnose

  • Röntgen (häufig sind Stressfrakturen jedoch im frühen Stadium nicht sichtbar. Für eine weitere Abklärung ist ein MRT zu empfehlen)

Stressfraktur-Therapie

  • je nach Schwere der Fraktur absolute Ruhigstellung der betroffenen Gliedmaße für 6-12 Wochen
  • evtl. Unterstützung der Entlastung durch spezielle Schuhe (Vacoped)

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Kommentare: 1
  • #1

    Marcus (Dienstag, 21 August 2018 12:04)

    Du musst dich wohl ein wenig mehr schonen. Wäre doch Schade wenn ihr eure Reise aufgrund einer Überbelastung nicht antreten könntet. LG aus Worpswede