Hallo, Seele!

Was ist Spiritualität?

Autorin: Nina

 

Wortbedeutung "Spiritualität"

 

Das Wort "Spiritualität" leitet sich von dem lateinischen Wort "Spiritus" (Geist) ab. Als spirituell bezeichnet man all jenes, was sich mit dem Geistlichen befasst.

 

Doch muss man gleichzeitig auch religiös sein?

 

In meinen Augen lautet die Antwort darauf ganz klar Nein. Ich selbst würde mich nicht als religiösen-, wohl aber als einen spirituellen Menschen bezeichnen. Religionen fühlen sich für mich meist einengend an; sie diktieren, was richtig ist und setzen Bedingungen die erfüllt werden müssen, um Erlösung zu finden. Oft wird diese Erlösung auch erst nach dem Tod erreichbar und das Leben muss in Enthaltsamkeit und voller Entsagungen gelebt werden.

 

„Nehmt nichts von dem, was ich euch lehre, einfach aus Glauben oder aus Respekt vor mir an, sondern überprüft es selber, als ob ihr Gold kauftet.“ (Buddha)

 

Für mich ist es hingegen wichtig, dass jeder für sich selbst herausfindet, was sich richtig für ihn anfühlt. Denn ein per se"richtig" und "falsch" gibt es nicht: alles hat die Bedeutung, die wir ihm beimessen. Ohne Urteil gibt es keine Schuld, kein richtig, kein falsch. Uns wird nur sehr, sehr früh schon gesagt, was sich gehört und was nicht. Was richtig ist, was man tun darf und was nicht. Einige dieser Dinge haben durchaus ihre Berechtigung. Doch anderes- vieles, wird in unser Herz gepflanzt und belastet unsere Seele fortan.

Wir nehmen diese Glaubenssätze als wahr an, hinterfragen sie nicht mehr, formen nach ihnen unser Weltbild.


Was wäre diese Welt für ein Ort, wenn wir nicht vorschnell urteilten? wenn wir begriffen, dass wir hier zusammen auf diesem vor Wunder strotzenden Planeten leben? Dass wir uns alle nach Liebe sehnen. Nach Liebe, die keine Bedingungen stellt? Nach Liebe, die uns vollkommen so annimt, wie wir eben sind. Mit all unseren "Schwächen" und "Fehlern"? Wenn wir gemeinsam wären, statt gegeneinander?

Der Mensch kann so Wundervolles schaffen. Doch leider erschafft er sich mit Dogmen, Glaubenssätzen, Schuld und Strafe eine Hölle auf Erden: Oft benötigen wir noch nicht einmal mehr die Verurteilungen durch die Menschen von außen. Das schafft unser unstete Geist von ganz allein. Indem er sagt, was uns alles fehlt, was wir nicht sind, was wir nie sein können. Nie sein werden. So entsteht ein leidvolles, eifersüchtiges Leben, das nur angefüllt mit Mangel ist.

 

Spiritualität und die weltliche lebensweise

 

Was bedeutet nun also die Spiritualität für mich? Nun, ich habe mehr und mehr erfahren, dass man sich so oft im Außen vergleicht, nach "Erfolgen" strebt, dass man sein Leben mit Dingen anreichern will, die einen dann doch nicht zufrieden stellen. Dass man sein Leben danach ausrichtet, was sich andere Menschen darunter vorstellen. Dass man versucht, Erwartungen anderer zu befriedigen.

Und egal, was man auch erreicht, welche Ziele man verfolgt. Letztendlich führen sie einen nicht zu dem Glück, das lange währt. Dieses Glück, nachdem sich jeder sehnt.
Ich habe einen guten Vergleich dazu gelesen: es ist, als würde man Salzwasser trinken: man bekommt mehr und mehr Durst, trinkt mehr und mehr. Und am Ende verdurstet man.

Ich will damit nicht sagen, dass nur die Spiritualität der richtige Weg ist; Jeder muss diesen wie schon gesagt, für sich selber finden. Doch sehe ich, was der westliche Lebensstil mit uns Menschen anstellt: es wird uns ein permanenter Mangel vorgegaukelt: wir sind noch nicht schön genug, schlank genug, stark genug, schnell genug, reich genug, beliebt genug...doch all das ist nicht wahr: wir sind genug. Wir sind genau richtig, so wie wir sind. Ganz genau so. Und dies zu erfahren, zu fühlen und zu leben ist für mich Spiritualität. Das "in mich hinein schauen" und mich fragen, wer ich wirklich bin. Wer bin ich, wenn ich nicht meine Gedanken bin? Was bleibt von mir, wenn all diese Vorstellungen und Gedanken über mich auf einmal weg sind?

 

Ich weiß es nicht. Doch es herauszufinden, diesen Weg zu gehen, das weiß ich, das will ich versuchen.

Also werde ich nach innen gehen, in mich hineinhorchen, meine Seele entdecken und zu ihr sagen:"Hallo, du! Wer bist du? Und was wünschst du dir?"

 

Nun möchte ich noch eine wundervolle Geschichte mit dir teilen. Ich liebe sie. Zum ersten Mal hörte ich sie von einem Vedantalehrer aus Indien.

 

 

Die Geschichte von der kleinen Welle

 

Es war einmal eine kleine Welle. Tief in ihrem Innern war sie sehr unglücklich und klagte: «Ich fühle mich so schlecht. Die anderen Wellen sind so groß und so stark, während ich nur so klein und schwach bin. Das Leben ist ungerecht!»

 

Zufällig kam eine große Welle vorbei. «Ich habe deine Worte gehört." sagte sie. "Dir geht es so, weil du noch nicht deine wahre Natur erkennst. Dir geht es schlecht, weil du denkst, dass du nur eine kleine Welle bist, aber das ist nicht wahr.»

 

«Was sagst du da?» fragte die kleine Welle. «Natürlich bin ich eine Welle. Schau, hier ist meine Krone und das hier ist mein Wellenschlag. Ich bin klein, aber ich bin eine Welle!»

 

«Was du als "Welle" bezeichnest, ist nur deine Form. Du bist in Wahrheit Wasser. Wenn dir gelingt, zu verstehen, dass du nur eine Zeitlang eine Welle bist, aber immer Wasser sein wirst, wirst du nicht mehr unglücklich sein.»

 

«Aber wenn ich Wasser bin, was bist dann du?»

 

«Auch ich bin Wasser. Ich habe für eine kurze Zeit die Form einer Welle, die größer ist als du. Aber meinem Wesen nach bin ich Wasser. Ich bin du und du bist ich. Wir sind beide Teile eines großen Ganzen.»

 

(nach Xin Zhou Li)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0